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Das Paradies liegt nebenan

Wissen, was bei uns wächst: „Großmutters Streuobstgarten“ in Strohbach ist mehr als nur ein Obstlehrpfad. Mit ihm wurde ein einzigartiges Naturerlebnis für Groß und Klein geschaffen.

Text: Gudrun Schillack, Fotos: Dieter Wissing

In „Großmutters Streuobstgarten“ am Ortseingang von Strohbach muss es noch wachsen, aber schon heute ist das kleine, mit viel Liebe zum Detail gestaltete Areal ein ebenso großes Erlebnis wie die beiden „Räuber Hotzenplotz“-Erlebnispfade der Stadt.

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Über 80 verschiedene Obstbäume, über 30 Sträucher mit Beeren, in „Großmutters Streuobstgarten“ gibt es viel zu entdecken. Nicht nur für Kindergartenkinder, die auf den Info-Tafeln im Moment nur die Bilder studieren können. Hier hat man an alle gedacht, an die Großen aber auch an die kleinen Gäste. Die kommen regelmäßig aus dem benachbarten Waldorfkindergarten und aus den dritten und vierten Grundschulklassen aus Strohbach. Sie haben den Bauerngarten im Streuobstgarten angelegt und pflegen ihn auch. Jede Woche zwei Stunden Unterricht in Gottes freier Natur. So macht Lernen Spaß...

Insektenhotel, Bienen, Frösche und Enten im Naturteich und Störche zu Gast - der Streuobstgarten ist Natur zum Erleben

Die Idee zum Streuobstgarten kam Franz Wild beim Brennen. Den Kunden zeigen, aus welchem Obst guter Schnaps gebrannt wird, ihnen die alten Sorten näher bringen, das stellte er sich spannend vor. Ein sportliches Projekt, wie er bald feststellen musste, das Mitstreiter brauchte. Franz Wild fand sie: im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, der zum ersten Mal ein privates Projekt unterstützte, wie auch beim damaligen Ortsvorsteher Stefan Grimm.
Bei der Tourist-Info Gengenbach, die nicht nur beim Organisieren half, sondern auch die Texte für die zahlreichen Infotafeln erstellte. Ehrenamtliche und tatkräftige Helfer vom Waldservice Ortenau halfen aus der Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Der Steinacher Künstler Michael Steigerwald, dessen Skulpturen man auch auf den Hotzenplotz-Pfaden sehen kann, gestaltete fünf Tierskulpturen.

Noch sind die Bäumchen klein, aber ein Erlebnis ist der Besuch trotzdem. „Ein Naturerlebnis“, wie Jutta Breitenreuter meint und teilt damit die Begeisterung ihrer Kindergartenkinder, die nicht oft genug ins Paradies nebenan gehen können. Ihnen hat es besonders der kleine Naturteich hinter dem Pavillon angetan, „weil dort immer was passiert“. Mal sind es die Frösche, die für Unterhaltung sorgen, mal die Enten, die vorbei kommen oder der Storch, der dort zwar nicht wohnen will, aber pünktlich zu den Mahlzeiten einfliegt.

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Auf rund einem Hektar Wiese ist vor den Toren Gengenbachs eine kleine Idylle mit Blick übers Tal hinüber zum Schwarzwald entstanden, die zu erkunden lohnt. Auf dem Lehrpfad, der rund 30 verschiedene Apfelsorten aufweist und fast vergessenes Wissen über die Streuobstvielfalt der Region wieder gegenwärtig macht. Beim Blick über den Zaun des Bauerngartens, wo es Anregungen gratis für den Bauerngarten Zuhause gibt. Beim Besuch der bunten Bienenstöcke, am Insektenhotel. Und selbst im Pavillon am Eingang zum Streuobstgarten kann man noch was lernen: wie früher Wein gepresst wurde. Eine historische Weinpresse ist stummer Zeuge. Die kleine Schnapsbrennanlage, gleich daneben, gibt Einblicke ins Brennen von einst – rein theoretisch versteht sich. Es sei denn, man hat sich hier mit Franz Wild verabredet. Dann gibt’s vielleicht eine Live-Demo, ganz sicher aber immer was zum Probieren. Und immer viel Interessantes zu den naturbelassenen Streuobstwiesen zu hören. Zu Qualität und Aromenvielfalt und wie wichtig beides für erstklassige Destillate und Liköre ist.

Wer Brennen von heute erleben will, geht ein paar Meter weiter in die Gläserne Produktion von Franz Wilds Hausbrennerei. Dort kann man ihm nicht nur über die Schulter schauen, sondern sich den Hochprozentigen auch schmecken lassen beziehungsweise sich gleich zu einer Probe mit deftigem Bauernvesper anmelden. In jedem Fall sollte man sich anschließend nach Hause chauffieren lassen...