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Fasentmasken


Über lange Jahre hinweg ist er selbst als verschmitzt lachendes Nordracher Glashansele gelaufen, hat mit Hingabe „die Leute veräppelt“. Um so besser weiß er, worauf es beim Anfertigen einer Narrenmaske ankommt, damit sie neben dem einwandfreien Aussehen auch angenehm zu tragen ist. Holzschnitzer und Keramikmaler Berthold Eble steckt hinter unzähligen Masken.


Der schwarzgraue Kopf auf der Werkbank wirkt gruselig. Und genau das soll er sein. Aus Knetmasse geformt, dient er Berthold Eble als Vorlage für eine neue Fasendmaske.

„Jedes Jahr mache ich mindestens eine neue Hexe“, erzählt er. Zwar hat er im letzten Winter für eine siebenköpfige Clique in der Nähe von Linx wunderschöne Fuchsmasken machen dürfen, erinnert sich der schon immer kreativ Gewesene beinahe ein wenig wehmütig. „Aber wenn junge Leute heutzutage eine Fasendgruppe gründen, dann wollen sie meist Hexen - oder aber Krampusse oder Teufel“, weiß der 63-Jährige.

Denn: Schön wild kann man sich in einer solchen Figur gebärden. Mehr noch, man muss das sogar tun, denn bei einer braven Hexe denkt man sich, „was ist das denn für eine“, schmunzelt der Fasentsbegeisterte. Als Spättle dagegen müsse man sich ein bisschen benehmen, meint er. Überdies sei eine Hexe einfach einzukleiden.

Zunächst aber gilt es, das Modell aus weichbleibendem Plastolin immer wieder nach den Wünschen der zukünftigen Maskenträger zu modifizieren, bis es in den letzten Feinheiten gefällt. Das kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zur reinen Draufsicht bei einer Zeichnung hat diese Vorgehensweise aber gerade für Laien den Vorteil, dass der Entwurf dreidimensional ist, erklärt der gebürtige Lindacher, „so kann man sich eine wirkliche Vorstellung machen.“

 

Entstehungsstufen

 

Auf der Basis des Plastolin-Kopfes erstellt der gelernte Holzschnitzer dann ein Holzmodell, allerdings nicht aus einem einzigen Stück. Stattdessen schneidet er mit einer maschinellen Säge aus einer Bohle einen groben Umriss, auf den mit extrem haltbarem PU-Leim ein kleineres Holzstück aufgeleimt wird – die spätere Nase. Diese Vorgehensweise verhindert zum einen Spannungs- und Trockenrisse, zum anderen reduziert sie Materialschwund und Arbeit.

Die aufgezeichneten Konturen der Larve werden mit einem großen „Schweizermesser“ - per Klöppel ins Holz getrieben - grob herausgearbeitet und mit kleineren Schnitzmessern verfeinert. Auch an diesem Modell lassen sich auf Wunsch noch kleine Korrekturen vornehmen. Anhand dieser Vorlage fertigt Berthold Eble nun die erste Maske.

Meist verwendet er Lindenholz: „Das hat eine gewisse Festigkeit, ist somit robust, sehr haltbar und aufgrund seiner kurzen Fasern gut zu schneiden“, erklärt er. Nur manchmal setzt er Wermutkiefer ein. Die ist leichter, wartet jedoch mit einem Wermutstropfen auf: „Je leichter das Holz, desto schneller kriegt die Maske eine Delle, wenn man sie irgendwo anschlägt.“ Und das passiert im Fasendtreiben schneller als man denkt.

Das Holzmodell wird gemeinsam mit geleimten Grundwerkstücken in eine Maschine eingespannt – eine Kopierfräse, mit deren Hilfe nun Rohlinge entstehen. Ein solcher Rohling muss anschließend per Hand mit dem Schnitzmesser innen wie außen weiterbearbeitet werden, acht volle Arbeitsstunden dauert das im Schnitt. Eine körperlich anstrengende Arbeit, die jederzeit greifbare Wundpflaster sowie hohe Konzentration erfordert.

 

Feingefühl erforderlich

 

Während das Holz in dünnen Schichten von innen abgetragen wird, ist besonders an den filigranen Stellen Vorsicht geboten – dort nämlich, wo die Vertiefungen sitzen. „Gehe ich mit dem Messer hier zu tief ins Holz, kommt es auf der anderen Seite wieder heraus“, spricht Berthold Eble aus Erfahrung. Zwar gibt es Spachtelmasse, aber die setzt er nicht gerne ein, bleibt der Schaden doch sichtbar.

Zu dick wiederum darf er die Wände auch nicht belassen: Denn je dünner sie sind, desto leichter ist die Maske und desto besser außerdem ist die gewollt verfremdende Resonanz der Stimme des Trägers.

Nach Abschluss der Schnitzarbeiten wird die Maske bemalt und mit farblosem Schutzlack überzogen. Allerdings sollen die Werke aus seiner Hand nicht alle gleich aussehen, betont Berthold Eble, der seinen Lebensunterhalt einst als Keramikmaler in der Zeller Keramikfabrik verdiente und vor sich vor fünfzehn Jahren als zudem gelernter Holzschnitzer mit seinem Werkstattladen in Lindach selbständig machte.

Um der Vielfalt willen also setzt er für seine Masken unterschiedliche Techniken ein. Mit Acrylfarbe ist er innerhalb eines Tages fertig, bei der langsam trocknenden Ölfarbe hingegen dauert es länger. Doch auch Beiztöne verwendet er gerne. Sie lassen die Holzstruktur zur Geltung kommen, „das hat gerade bei Hexenmasken eine schöne Wirkung.“

 

Maßarbeit

 

Anders die Maske eines Zeller Narros, die zwischen anderen Larven an der Wand seiner Werkstatt hängt: „Als es die Beiztöne noch nicht gab, hat man fast alle der früher entstandenen schwäbisch-alemannischen Masken mit Lack zugemalt“, erläutert der Meister.

Das überaus aufwändige Verfahren gilt auch für die weithin bekannten Glattmasken aus Villingen-Schwenningen. Die sind im übrigen gesetzlich geschützt und müssen somit ausschließlich in Handarbeit, also ohne den Einsatz der Kopierfräse, hergestellt werden - einige von ihnen hat Eble gerade in Arbeit.

Beeindruckend der Kontrast, den das Teuflische der Krampusse zu diesen bildet. Für Zeller Gruppen hat Eble jene Geschöpfe geschaffen. Seine Auftraggeber sahen sich inspiriert von österreichischen Figuren, wo Krampusse jedoch ausschließlich am Nikolaustag laufen – und das in wohl recht gesitteter Form.

Alles in allem muss eine Maske jedoch nicht nur gut aussehen, sie muss auch gut sitzen. Mithilfe verschiedener Modelle nimmt der Maskenschnitzer daher sorgsam Maß an jenen Köpfen – Brillenträger eingeschlossen - die sich närrisch verwandeln wollen.

Er selbst hat viele Jahre und mit riesigem „Spaß an der Freud“ das Häs der Nordracher Glashansele getragen. Dadurch weiß er genau, worauf es beim Anpassen ankommt „und wo es drücken könnte.“ Entsprechend gut vermag er zu beraten.

Ganz wichtig: „Zum Kinn hin muss ein fingerbreit Platz in der Maske sein.“ Damit man ungehindert „reden und seine Späßchen mit den Leuten machen kann.“

 

Von Inka Kleinke-Bialy