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Vom harten Flößerleben

In Gengenbach steht ein schmuckes Bahnwärterhäuschen. Es erzählt Besuchern wunderbare Geschichten von den Kinzigtäler Flößern und der Schwarzwaldbahn.

Text: Elmar Langenbacher, Fotos: Dieter Wissing

Zwischen Kinzig und Bahnübergang, direkt beim Wehrturm aus Zeiten der freien Reichsstadt, steht das Häuschen, welches mich irgendwie an eine Kuckucksuhr erinnert.

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Nicht ohne Grund, standen die Bahnwärterhäuschen doch Modell für die erste Kuckucksuhr. Es beheimatet das

Gengenbacher Flößerei- und Verkehrsmuseum. Und dort empfängt mich freudig Konrad Schilli, den schwarzen Flößerhut auf dem Kopf. Seiner Initiative vor vielen Jahren ist dieses Museum zu verdanken. Und seiner Oma, wenn man so will, denn „seine Großmutter hat ihm immer wieder diese Geschichte aus der guten alten Zeit erzählt. So ausführlich und so plastisch, dass er schließlich davon träumte. Diesen Traum vom bunten Leben eines Flößers, vom Abenteuer aus vergangenen Jahrhunderten, von schwerer Arbeit gestandener Mannsbilder, aber auch von feuchtfröhlichen Floßfahrten ab Schiltach, beinahe 100 Kilometer die Kinzig hinunter, bis zur Rheinmündung bei Kehl“. Sogar die BUNTE war seinerzeit davon begeistert und hat darüber berichtet. Stolz drückt mir Konrad Schilli auch das Heft in die Hand. Stolz kann er auch sein, denn ich kann allerhand bewundern aus der Zeit der Flößer.

Diesen Traum vom bunten Leben eines Flößers, vom Abenteuer aus vergangenen Jahrhunderten, von schwerer Arbeit

Es muss ein hartes Handwerk gewesen sein, damals, als die Kinzig noch nicht begradigt war, denn die Zähmung des Flusses wurde erst vorgenommen, als zwischen Schiltach und Kehl nur ein einziger Landesvater regierte: das Haus Baden. Zuvor suchte sich die raue Kinzig immer wieder ein neues Flussbett, brachte Überschwemmungen und Leid, wie Herr Schilli zu berichten weiß. Im Museum sind so auch alte Landkarten zu bewundern und Herr Schilli ist ein toller Geschichtenerzähler!

Mit viel Liebe zum Detail zeigt ein Modell, wie die gefällten Bäume den steilen Abhang hinunter geriest wurden, wo man sie anschließend zu gelenkigen Floßen zusammenband. Ein Modell eines solchen Floßes kann ich ebenfalls bewundern. Die Ausstellung vermittelt mir zudem ein Gefühl des Lebens in der „guten alten Zeit“, die wahrlich kein Zuckerschlecken war. Über viele Jahrhunderte brachte die Flößerei Wohlstand in die Region und Schwarzwaldholz bis nach Holland. Mit der Begradigung des Flusses war dann auch der Bau der Schwarzwaldbahn möglich: die Flößer wurden arbeitslos. Im Obergeschoss befindet sich eine Ausstellung zur
berühmten Bahn. Mein Tipp: klein, fein und empfehlenswert!